Über Geschicklichkeit und ihre Entwicklung

(Kommentare: 1)

Nicolai A. Bernstein on Dexterity and its Development

Empfohlen von Irene Sieben

Von Nicholai A. Bernstein (1896-1966) hörte ich erstmals 2010 in einem Advanced Seminar von Eilat Almagor. Die israelische Feldenkrais-Trainerin, die einen Background als Neurobiologin hat, nannte den Namen des russischen Hirnforschers im Kontext mit dem Phänomen Geschicklichkeit (Dexterity). Wesentlicher Ausdruck dieser Fähigkeit sei die leichte, mühelose, elegante, effiziente, flinke, ungestörte, fließende Handlungsweise. Wie das zentrale Nervensystem dabei seine Wahl trifft – wie wir lernen – hat auch Feldenkrais umgetrieben. Ob er Bernsteins Theorien kannte? Auf seinem Bookshelf findet sich dieser Namen nicht. Eilat legte uns Bernsteins Buch „Dexterity and its Development“ ans Herz. Es wurde 1996 ins Englische übersetzt, nachdem es 40 Jahre lang, wohl aus politischen Gründen (Bernstein war Jude und hatte Pawlows Reflex-Theorie angezweifelt) in der Sowjetunion unter Beschuss geraten war, wie auch sein gesamter Forschungsreichtum. Bernsteins Erkenntnisse auf dem Gebiet der motorischen Steuerung, Biomechanik, Wahrnehmung, Neurophysiologie von Aktivität, Dynamik und Kontrolle gelten noch heute als bahnbrechend. Er wusste, dass Bewegung nicht starr durch festgeschriebene neuromotorische Programme gesteuert, sondern flexibel an die Situation angepasst wird. Die Hauptaufgabe sei bei der Koordination die Steuerung vielfältiger Freiheitsgrade. Erstaunlich an diesem Buch ist sein lesefreundlicher Stil. Man muss keine wissenschaftlichen Klippen überwinden, um mit Spannung die Entwicklung des Gehirns, der Extremitäten und der Fortbewegungsarten in Bewegungsketten zu verfolgen, die im Verlauf der Evolution im Tierreich und in der Menschwerdung bis zu phänomenalen Fähigkeiten führen: letztlich paart sich z.B. bei Akrobaten und Athleten, wie Bernstein betont, Geschicklichkeit mit Schönheit.

Im zweiten Teil des Buches kommentieren die Herausgeber die Forschungen des „Reformer of Neuroscience“.

Bezugsquellen

Das Buch liegt bisher nur in englischer Übersetzung vor:

Dexterity and its Development, edited by Mark L. Latash, Pennsylvania University, and Michael T. Turvey, University of Connecticut Haskins Laboratories, New Haven with „On Dexterity and its Development" by Nicholai A. Bernstein, translated by Mark L. Latash – LEA, 1996, Mahwah, New Jersey, (2. Neuauflage 2016 bei Routledge).

Originaltitel:

О ловкости и её развитии. — М.: Физкультура и спорт, 1991. — 288 с. ISBN 5-278-00339 (по неопубликованной в 1947 г. монографии; подготовлена И. М. Фейгенбергом)

 

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Kommentare

Kommentar von Cornelia Berens |

Danke, liebe Irene, für einen weiteren Schatz aus Deiner Feder, räusper, räusper, aus Deinem Rechner!
Vor allem der Einschub zum lesefreundlichen Stil hat mich endlich, endlich zur Anschaffung des Buchs verführt.
Und nun schmökere ich – ein wundersames Sonnabend-Vergnügen.
Merci!!!

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